Dortmund gedenkt Opfer rechter Gewalt

Schon lange erleben wir schwer erträgliche Provokationen der Neonazis in Dortmund, wie zuletzt die Todes-drohungen gegen Journalisten und den Polizeipräsidenten. Hier zeigt sich wieder einmal die menschenverachtende Ideologie der Rechtsextremisten. 
In unfasslicher Weise steigern sie dies am 28.03.2015 erneut: Mitten in Dortmund wollen sie den Jahrestag der Tötung eines Menschen mit dem Rockkonzert einer rechten Band feiern. Denn genau vor 10 Jahren wurde in der U-Bahn Haltestelle Kampstraße Thomas Schulz von dem bekannten Dortmunder Skinhead Sven Kahlin erstochen. Dies ist für den Dortmunder Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus unfassbar. 

Die Gerichte erlauben derzeit diese grauenhafte Veranstaltung. Die Neonazis marschieren am Tage im Schutz des Rechtsstaates, um bei Nacht die Rechte anderer mit Füßen zu treten. Der Rechtsstaat bewegt sich an der Grenze des Absurden. Die Verbotsversuche des Polizeipräsidenten finden darum unsere volle Unterstützung.

 

Nicht der Logik der Eskalation folgen


Wenn am 28.03.15 wirklich hunderte gewaltbereite Neonazis aus ganz Deutschland hierher kommen, wird der Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus der Versuchung widerstehen, sich auf die Logik der Eskalation einzulassen. Zu erwartende Konfrontationen lenken nach unserer Überzeugung ab vom eigentlich schändlichen Kern des Tages: 

 

Nazis feiern, dass einer ihrer Spießgesellen einen anderen Menschen umgebracht hat.

 

Schon über 180 Opfer nach 1945

 

Und Thomas Schulz ist nicht der einzige: Nach 1945 wurden schon über 180 Opfer gezählt. In unserer Stadt alleine  fünf! Denn bereits im Jahr 2000 ermordete der Neonazi Michael Berger am 14. Juni drei Polizisten. Am 04. April 2006 wurde Mehmet Kubasik von NSU-Naziterroristen in der Mallinckrodtstraße erschossen.


Der Dortmunder Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus ruft alle Bürgerinnen und Bürger in Dortmund auf, an diesem Tag Trauer und Wut in besonderer Weise Ausdruck zu geben. An diesem Tag ist uns das Gedenken an die Opfer wichtiger, als die direkte Auseinandersetzung mit den Rechten.


Wir rufen auf, am 28.03. an die Toten zu erinnern und an alle Opfer des Rechtsextremismus. Dies ist der Tag von Thomas Schulz, Mehmet Kubasik, Thomas Goretzky, Yvonne Hachtkemper und Matthias Larisch von Woitowitz und ihren Familien.

* * * NACHTRAG * * *

 

Eindrucksvolle Mahnung im Park am Ostwall

 

Die Gedenkkette wurde am 28. März dem Aufruf entsprechend am Gedenkstein im Park am Ostwall gebildet. Zahlreiche Bürger, darunter auch Abgeordnete beteiligten sich. Für den Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus erklärte Sprecherin Jutta Reiter (DGB Dortmund) nach der Veranstaltung am Samstag gegenüber der Presse: „Die Aktion verfehlte ihre Wirkung nicht. Wir haben an diesem Tag die Opfer in den Mittelpunkt gestellt und nicht die Täter. Wir begrüßen die flexible und kooperative Einsatzstrategie der Polizei. Damit konnten wir den Rechtsextremen bei Beginn ihres Aufmarsches die tödlichen Beweise ihrer menschlichen Verachtung entgegenhalten.“ 

 

Keine größeren Auseinandersetzungen


Dass der Tag in Dortmund ohne größere Auseinandersetzungen verlief, ist der klugen Strategie der Polizei zu verdanken, die in Anbetracht der zu kritisierenden Gerichtsurteile vor großen Herausforderungen stand. Die hochemotionale Situation, die mit dem 10. Todestag von Thomas Schulz in Verbindung stand, stellte eine Ausnahmesituation in Dortmund dar, die schwer einzuschätzen war. Daher betrachtet der Arbeitskreis das Verhalten der Polizei an diesem Tag als angemessen. 

Jutta Reiter: „Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unseres Trauermarsches waren von unserer eigenen Aktion selbst sehr beeindruckt. Die Nachhaltigkeit der Bilder sprach für sich.“ 


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