Würdige Feier in Dorstfeld

Bürgerinnen und Bürger gedachten der Pogrome vom 9. November 1938: Mehr als 200 Dortmunder  gedachten am Montag, dem 9. November 2015, im Zentrum von Dorstfeld der Judenpogrome vor 77 Jahren. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 war auch die Synagoge am Dorstfelder Wilhelmplatz geschändet und später abgerissen worden.


An der Feierstunde wirkten mit eigenen Texten auch Schüler der Droste-Hülshoff-Realschule Kirchlinde mit. Friedrich Fuß (Die Grünen), Bezirksbürgermeister von Innenstadt West, verwies in seiner Rede darauf, dass selbstverständlich keiner der Anwesenden irgendeine Mitschuld an den Rasseverbrechen der Nationalsozialisten habe, allerdings seien wir alle verantwortlich dafür, dass der Völkermord an den Juden nicht in Vergessenheit gerate.

 

Wir alle sind Dortmund


Rabbiner Avichai Apel von der Dortmunder Jüdischen Kultusgemeinde  erinnerte in seiner Ansprache ausdrücklich an die Aktion der Dortmunder Zivilgesellschaft „Wir alle sind Dortmund“ und an die enge Zusammenarbeit zwischen Christen, Muslimen und Juden in 
dieser Stadt. Diese Erfolge dürften wir uns von Rechtsextremisten nicht zerstören lassen, sagte Apel, der die Feierstunde mit zwei Gebeten in hebräischer Sprache beschloss.

 

Störversuche

 

Zu Beginn der Gedenkstunde hatten einige Nazis von den Rändern der Versammlung her versucht, mit Rufen („Nie, nie, nie wieder Israel“) und dem Zeigen einer schwarz-weiß-roten Fahne die Veranstaltung zu stören. Sie wurden unaufgeregt von Polizeibeamten abgerängt. Beobachter aus einiger Entfernung war der vielfach vorbestrafte Nazi  Siegfried Borchardt („SS-Siggi“), der auf einer Bank inmitten des Wilhelmplatzes im Kreise einer Handvoll Anhänger Hof hielt. 

 

Text und Foto: Rainer Zunder

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Offensichtlich haben Rechtsextremisten am 9. November die Stolpersteine in der Dorstfelder Arminiusstraße mit Farbe verschmiert. Die Polizei registrierte die üble Beschädigungen. Die meisten Teilnehmer an der Gedenkveranstaltung haben sie nicht bemerkt.