Besetzung der Reinoldi-Kirche: "Skandalöser Missbrauch"

Als einen „skrupellosen Missbrauch des Kirchengebäudes und eine tiefe Respektlosigkeit“ verurteilte Ulf Schlüter, Superintendent des Ev. Kirchenkreis Dortmund, die Besetzung der Reinoldkirche durch Neonazis. Friedrich Stiller, Sprecher des Arbeitskreises gegen Rechtsextremismus, war Zeuge der skandalösen Aktion, bei der Rechte sich im Turm der Innenstadtkirche verbarrikadierten, um von dort fremdenfeindliche Parolen zu brüllen.


Am Freitag, 16.12., gegen 18.40 Uhr besetzten acht Neonazis den Turm und hängten ein Transparent mit fremdenfeindlicher Aufschrift an die Brüstung. Sie zündeten Pyrotechnik und riefen rassistische Parolen in die Menge. „Mir hat es sehr wehgetan, das mitansehen zu müssen. Zufällig war ich nämlich vor Ort, unmittelbar als es losging“, berichtet Friedrich Stiller.


Offensives Auftreten

 

Er beobachtete, wie mindestens 15 weitere Rechtsextremisten in der Fußgängerzone Flugblätter der Partei „DIE RECHTE“ verteilten. „Sie traten sehr offensiv auf“, so Friedrich Stiller. In dem Text des Flugblattes sei insbesondere die „verlogene Heuchelei“ aufgefallen, „mit der sich ausgerechnet diese Rassisten und Neuheiden als Verfechter christlicher Werte ausgeben.“

 

Viel Widerspruch


Die Rechtsextremisten hätten von Beginn der Aktion an intensiv getwittert. Der Sprecher des Arbeitskreises gegen Rechtsextremismus beobachtete, dass die Neonazis zudem einige Passanten fotografierten, die ihnen widersprachen. „Zum Glück gab es aber viele Weihnachtsmarktbesucher, die ihrem Ärger über die Provokation lautstark Luft machten.“

 

Glockengeläut gegen Parolen

 

Um die Neonazis zu übertönen, ließ Stadtkirchen-Pfarrerin Susanne Karmeier die Glocken läuten (siehe hierzu auch das Interview mit den Ruhr Nachrichten). Polizei und Feuerwehr konnten die Tür schließlich aufbrechen und die illegale Besetzung der Reinoldikirche beenden.

Abstoßende Aktion

 

Friedrich Stiller spricht von einer „abstoßenden Aktion“, die der Arbeitskreis gegen Rechtsextremismus aufs Schärfste verurteilt – ebenso, wie Superintendent Ulf Schlüter. Dieser unterstrich: „Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus haben keinerlei Raum bei uns.“ Die Aktion belege einmal mehr, „dass den Rechtsextremisten nichts heilig ist - eine Kirche so wenig wie das friedliche Zusammenleben der Menschen in der Stadt. Demgegenüber werden wir weiter konsequent am Dialog mit Menschen anderer Religionen und Kulturen festhalten. „Wir alle sind Dortmund“ – im Geist dieser Toleranzkampagne treten wir ein gegen Rechtspopulismus und Rechtsextremismus.“

 

Die vollständige Pressemitteilung des Ev. Kirchenkreises Dortmund können Sie hier herunterladen:

 

Foto: Friedrich Stiller

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Presseerklärung zur Besetzung des Reinoldi-Kirchturms
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